Deutsche Bank vs. Zentrum für Politische Schönheit – Überforderung oder Strategie?

19 Dez

Die Deutsche Bank “schlägt zurück”… oder “rudert zurück”? Nach diversen Debatten, und nachdem auch die “normalen Medien” das Thema aufgegriffen haben (Quellen siehe unten), äußerte sich die Deutschen Bank nun am Freitag zu dem Fall:

In einem Video war ein Pressesprecher der Deutschen Bank damit zitiert worden, die verhungernden Menschen in der dritten Welt seien “selbst schuld”. Daraufhin drohte die Deutsche Bank mit juristischen Schritten gegen die Künstler und Menschenrechtsgruppe “Zentrum für Politische Schönheit“. Da schon sehr unglücklich: Das Argument war nicht, dass des “Zentrum für politische Schönheit” die Unwahrheit sagte, sondern dass der Pressesprecher angeblich nicht wusste, dass er zitiert würde (siehe hierzu auch mein Posting vom Freitag).

Halbherzige Erklärung

Ich finde aktuell zwei Dinge interessant: Erstens scheint die Deutsche Bank dieses Statement nur (?) über Facebook rausgegeben zu haben. Als offizielle Pressemitteilung findet sich jedenfalls nichts auf der Website der Deutschen Bank. Das kann man wohl damit erklären, dass sie ja – wie sie auf Facebook ja schreiben – der Kampagne keine weitere Öffentlichkeit geben wollen. Und zweitens finde ich die Inhalte der Erklärung sehr interessant. Im Einzelnen:

  • “Damit würden wir ihm zu viel Ehre erweisen, denn es geht ihm offenbar vor allem um eine möglichst öffentlichkeitswirksame Auseinandersetzung mit der Bank.” Natürlich geht es Herrn Ruch darum. Er ist ja Journalist! Und genau dieses Auseinandersetzung verweigert die Deutsche Bank nun der Öffentlichkeit. Dazu ist der Ton hier ist abwertend und diskreditierend. Und eigentlich steht da: “Wir wollen über das Thema nicht reden”.
  • “Wir halten jedoch daran fest, dass Herr Ruch nach unserer Auffassung rechtswidrig gehandelt hat,…” Und im zweiten Satz gleich Rechthaberei, anstatt auf die Sache einzugehen. Die Deutsche Bank versteht nicht, dass es in der öffentlichen Debatte gar nicht darauf ankommt, ob dieses Zitat “rechtswidrig” verwendet wird. WIchtig ist, ob der Pressesprecher das gesagt hat. Gleichzeitig die Relativierung “nach unserer Auffassung”. Jemand, der überzeugt davon ist, schreibt so etwas nicht.
  • “…indem er ein Telefonat mit einem Pressesprecher der Bank, das nach dessen Erinnerung als Hintergrundgespräch, also nicht zum Zitieren, deklariert war, nicht nur aufgezeichnet,..” Aha! “nach dessen Erinnerung”. Das ist schon wieder eine enorme Relativierung. Die Deutsche Bank distanziert sich erkennbar gleich zwei Mal  von ihren eigenen Aussagen. Da riecht man jede Faser der Verunsicherung bei der Deutschen Bank.
  • “…sondern auch Passagen daraus veröffentlicht hat, in denen sich der Sprecher nicht korrekt wiedergegeben sieht.” Das ist ja alles gut und schön. Aber interessant wäre doch: Wie hat er esdenn sonst gemeint? Dazu auch noch die halbherzige Verteidigung “des Sprechers”. Die Deutsche Bank schreibt nicht: “Er wurde falsch wiedergegeben”. Sondern “er sieht sich falsch wiedergegeben”. Ja wie denn nun?
  • Und schließlich: “…Seine in dem Film wiedergegebenen Ansichten entsprechen jedenfalls nicht der Position der Deutschen Bank.” Das ist eine komische Distanzierung von den eigentlichen Aussagen. Ganz am Schluss, ganz nebenbei, mit dem Zusatz “jedenfalls”, ohne die Inhalte noch einmal zu nennen, und ohne auch die wirkliche Position der Bank deutlich zu machen. Allgemeiner und mit weniger Inhalt kann man das nicht ausdrücken.

Es wird deutlich: Die Deutsche Bank will sich inhaltlich nicht äußern. Ich frage mich, ob das echte Strategie, oder ob die Deutsche Bank nicht wirklich weiß, wie sie damit umgehen soll. Diese Stellungnahme ist… irgendwie gar nichts. Ich kann mir die Debatten hinter den Kulissen gut vorstellen. Da gibt es bestimmt einige, die darauf setzen wollten, wirklich in Dialog zu dem Thema zu gehen. Und andere “PR-Taktiker” der klassischen Schule, die den Dialog scheuen, weil dessen Ausgang ungewiss ist (und vielleicht auch, weil sie keine Übung darin haben). Zweitere haben sich durchgesetzt, und der Kompromiss ist etwas sehr Halbherziges.

Wie wird es weiter gehen?

Ich bin sehr gespannt, wie die Deutsche Bank hier weiter vorgeht. Was bisher war, ist jedenfalls weniger PR-Preis verdächtig. Erst verschafft die Deutsche Bank der Kampagne Öffentlichkeit, indem sie mit juristischen Schritten droht. Dann sagt sie, sie will doch nicht klagen, um der Kampagne keine Öffentlichkeit zu geben. Und dann kommt sie mit einer halbherzigen und sehr “unterkomplexen” Erklärung daher.

Ich weiß nicht, was ich mir mehr wünsche: Dass das noch weiter hochbraust, damit die Deutsche Bank mit der entsprechenden Öffentlichkeitswirksamkeit gezwungen wird, sich doch mit dem Thema (richtig) auseinanderzusetzen, anstatt zu blocken. Oder dass das doch funktioniert, und die Deutsche Bank Ruhe hat. Wenn ich auf die Kollegen in der Kommunikationsabteilung der Deutschen Bank schaue, dann wünsche ich ihnen, dass ihnen der Ärger erspart bleibt. Aber “lernen” ist ja auch nicht schlecht. Und nun ja, vielleicht sehe ich das wirklich zu eng, und es ist doch nur “irgendeine Kampagne von öffentlichkeitsgeilen Aktivisten”, die man tunlichst nicht ernst nehmen sollte, und es so zu machen wie “der Dicke” (also aussitzen), ist dann doch das Beste.

Was wären die Alternativen?

Die interessanteste Frage ist wohl: Was wären die Alternativen? Gleich am Freitag hatte ich gesagt, die einzige Chance für die Deutsche Bank wäre, sich sofort und deutlich von den Aussagen ihres Pressesprechers zu distanzieren. In der letzten Konsequenz müsste sie sogar diesen Pressesprecher “freistellen”. Die Deutsche Bank hat sich jetzt (irgendwie)  distanziert. Aber alles andere als “deutlich”. Und das wirft eigentlich mehr Fragen auf, als das es beantwortet. Verwaschener kann man es auch kaum tun. Ich denke, Unternehmen werden noch eine ganze Weile in diesem “Niemandsland” verweilen. Sie müssen sich irgendwie verhalten, aber konsequent trauen sie es sich noch nicht. Wahrscheinlich wäre das auch viel zu viel verlangt. Denn bis ein Konzern wich wirklich und offen mit den Themen auseinandersetzen kann, muss im Konzern noch vieles passieren. Ich denke trotzdem, dass mittel- bis langfristig kein Weg daran vorbeigeht: Echte Transparenz herzustellen, und wirklich in Dialog zu gehen, anstatt weiter Nebelkerzen zu werfen, polemisch zu argumentieren

Weitere Quellen:

P.S.

Warum diskutiere ich das hier öffentlich? Ich mache das nicht, weil ich mich bei der Deutschen Bank als Berater empfehlen will. Tatsächlich werde ich wohl das Gegenteil bewirken  . Mich interessiert nur das Thema mehr als enorm. “Wie können Unternehmen an dem öffentlichen Dialog glaubhaft teilnehmen?” ist eine Frage, die schon seit -15- 10 Jahren in meinem Profil steht. Und ich untersuche und diskutiere gerne Fälle, um möglichst daraus zu lernen, und das auch zu dokumentieren. Also: Alle sachlichen Beiträge sind willkommen.

Hinterlasse eine Antwort